Das Bärenseminar
Forschungsbericht 11
Inhaltsverzeichnis
zum Vorwort (keine Zusammenfassung vorhanden)H. Zierl Vorwort 4
J. Reichholf Einführung 7
H.U.Roth Die Bären in den Alpen 10
M.Janik Große Raubwildarten in den Westkarpathen (CSSR)und einige Probleme ihres Schutzes 14
F. v. Kobell Die Jagd auf den letzten Bären in Bayern 20
Graf Schönburg Beutegreifer und Greifvögel im Spannungsfeld der Nutzungsansprüche 21
J. Cop Der Luchs in Jugoslawien zwischen Wolf und Bär 25
H.Haller,U.Breitenmoser Der Luchs in der Schweiz -14 Jahre nach seiner Rückkehr 30
W. Berberich Untersuchungen am Rotfuchs (Vulpes vulpes L.) im Nationalpark Berchtesgaden, Aktivitätsrhytmik, Baustrukturanalyse, Raumnutzung. 35
W. F. Bock Die Lebensraumnutzung des Dachses (Meles meles)-erste Ergebnisse aus dem Raum Berchtesgaden46
H. Föhrenbach Marder im Alpen- und Nationalpark Berchtesgaden 52
H. Link Greifvögel in den Alpen 56
H. Frey Das Projekt zur Wiederansiediung des Bartgeiers in den Alpen 60
Vorwort
H. Zierl
Es ist heute nicht mehr festzustellen, wer vor 150 Jahren auf die Idee kam, den letzten, im oberbayerischen Hochgebirge erlegten Bären präparieren zu lassen und ihn der Zoologischen Staatssammlung in München zu übergeben. Möglicherweise hat diese Idee und ihre Verwirklichung für das Überleben des Bären und anderer, aus Mitteleuropa verschwundener großer Beutegreifer mehr bewirkt, als der oder die Initiatoren damals sich vorstellen konnten.
Der ausgestopfte Bär und das auf dem Sockel festgehaltene Datum seiner Erlegung am 24.10.1835 hat jedenfalls kurz vor der 150jährigen Wiederkehr den Plan entstehen lassen, im Oktober 1985 am Erlegungs-ort in Ruhpolding ein Seminar über die Rolle der Beute-greifer in der freien Wildbahn abzuhalten. Es möge den Veranstaltern des Seminars - der Gemeinde Ruhpolding, der Zoologischen Staatssammlung und der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden - nachgesehen werden, daß sie auch noch den Gänsegeier und den Bartgeier als nicht aktive Beutegreifer sondern als Aas-verwerter in das Programm einbezogen. Aber immerhin galt zumindest der Bartgeier über Jahrhunderte hinweg als ein böser Räuber, der sogar kleine Kinder verschleppt und frißt.
Die beiden Geierarten fanden wohl deshalb Eingang in das kurz mit »Bärenseminar« überschriebene Vor-tragsprogramm, weil einmal für beide Großvogelarten
gesamtalpine Programme (Unterstützung der Population des Gänsegeiers und Wiedereinbürgerung des Bartgeiers) unter Federführung des World-Wildlife-Fund (WWF) zustandekamen und zum anderen, weil das Geiervorhaben hoffnungsvolles Vorbild für spätere Aktionen zugunsten anderer ausgerotteter Wildtiere sein könnte.
Die Hoffnung für Nachfolgeprojekte mag manchem als Utopie erscheinen. Sie ist jedoch für den, der die Diskussion hierzu in den vergangenen 10 Jahren aufmerksam verfolgt hat, nicht ganz grundlos. Vor etwa einem Jahrzehnt war noch das Argument zu hören, daß der Fremdenverkehr in den Alpen erst entstehen konnte, als das Großraubwild ausgerottet war. Derart konstruierte Zusammenhänge überzeugen wenig, denn zwischen dem Verschwinden der letzten großen Beutegreifer in den bayerischen Alpen und dem Aufkommen des alpinen Tourismus liegt etwa ein halbes Jahrhundert, sie zeigen jedoch die damals noch vorhandene Abneigung gegenüber dem größeren Raubwild. Heute kann man - wenn auch noch nicht von jedermann -aber immerhin gelegentlich hören, man würde sich doch nicht etwa vor einem Luchs fürchten.
Das Bärenseminar von Ruhpolding im Oktober 1985 hat unter den Zuhörern, zu denen interessierte Laien, Jäger und Wissenschaftler gehörten, wohl zweierlei bewirkt: Die Diskussion um das Raubwild - ob groß oder klein - konnte auf einer ausgesprochen objektiven Ebene gehalten werden. Und manches, was aus dem Zuhörerkreis zu vernehmen war, klang nach Sympathie für jene Tiere unserer noch oder früher heimischen Wildbahn, die ihre Nahrung durch Beutegreifen finden. Genau das war die Absicht des Bärenseminars.
Im Nationalpark Berchtesgaden finden sich eine Reihe von Ortsangaben, die an das ehemalige Vorkommen von Luchs und Bär erinnern Übersichtskarte Artur Jelsen