Nationalpark
Berchtesgaden

Angewandte Ökosystemforschung im Nationalpark Berchtesgaden

Forschungsbericht 16

L. Spandau, 1988
88 Seiten, 32 Abbildungen

Inhaltsverzeichnis

Zur Zusammenfassung

Vorwort 5

1 Einführung 6

2 Ökologische Effekte sommertouristischer Aktivitäten 7

2.1 Theoretische Grundlagen 7
2.2 Der Tritteffekt 7

3 MAB-Projekt 6: Ökosystemforschung Berchtesgaden Der Einfluß des Menschen auf Hochgebirgsökosysteme im Alpen- und Nationalpark Berchtesgaden 10

3.1 Zielsetzung des MAB-Projektes 6 10
3.2 Der Modellansatz zum MAB-Projekt 6"Ökosystemforschung Berchtesgaden" - Theoretische Grundlagen 10
3.3 Hierarchische Bearbeitung des Modellansatzes 11
3.4 Flächenbezogenes Landschafts-Informationssystem 13
3.4.1 Aufbereitung der geometrischen Datenbasis 13
3.4.2 Zuordnung der Informationen und Aufbereitung der Merkmalsdateien 15

4 Methodik 18

4.1 Die Bewertung der Landnutzungseinheiten 18
4.1.1 Bewertung nach Belastungsgrad und potentieller Veränderung durch Tritteinfluß
19
4.1.2 Variablenkennblatt zur Dokumentation der Bewertung 20
4.2 Validierung der Bewertung 21

5 Die ökologisch bewerteten Landnutzungen 22

6 Testgebiete 30

6.1 Das Testgebiet Jenner 30
6.1.1 Gesteine 31
6.1.2 Klima 31
6.1.3 Böden 34
6.1.4 Verteilung der Landnuzungseinheiten 34
6.1.4.1 Verteilung der Vegetationseinheiten 36
6.1.5 Sommertouristische Nutzung 36
6.1.5.1 Verteilungsstrukturen der Sommertouristen 36
6.1.5.2 Untersuchungsmethoden zur Erfassung der sommertouristischen Nutzung im Testgebiet Jenner 38
6.1.5.3 Verteilung der Sommertouristen 40
6.2 Das Testgebiet Funtensee 42
6.2.1 Gesteine 43
6.2.2 Klima 45
6.2.3 Böden 45
6.2.4 Verteilung der Landnutzungseinheiten 45
6.2.4.1 Verteilung der Vegetationseinheiten 47
6.2.5 Sommertouristische Nutzung 49
6.2.5.1 Verteilungsstrukturen der Sommertouristen 49
6.2.5.2 Untersuchungsmethoden zur Erfassung der sommertouristischen
Nutzung im Testgebiet Funtensee 49
6.2.5.3 Verteilung der Sommertouristen 49

7 Validierung der Bewertung 51

7.1 Auswertung und Interpretation der Bewertung für das Testgebiet Jenner 51
7.2 Auswirkungen des Trtteffektes auf ausgewählte Landnutzungseinheiten im Testgebiet Jenner 53
7.3 Veränderungen der untersuchten Vegetationseinheiten durch Tritteinfluß 54
7.3.1 Trittzonation der Vegetation in Blaugrasrasen der Hochlagen 54
7.3.2 Trittzonation der Vegetation in Blaugrasrasen der tieferen Lagen 56
7.3.3 Trittzonation der Vegetation in Milchkraut-Weiden 57
7.3.4 Trittzonation der Vegetation in Kammgras-Weiden 58
7.4 Auswertung der Stichprobenkartierung zur Validierung der Bewertung 58

8 Qualitative Schadenserhebung und Ermittlung von schadensrelevanten Größen im Testgebiet Jenner 62

8.1 Datenerhebung und -aufbereitung 62
8.2 Schadensrelevante Größen und deren gegenseitige Beeinflussung 64
8.3 Modellformulierung und Validierung der Modellergebnisse im Testgebiet Funtensee 65
8.3.1 Modellformulierung, statistische und flächenbezogene Darstellung der Modellergebnisse 66
8.3.2 Qualitative Schadenskartierung im Testgebiet Funtensee 68
8.3.3 Vergleich der Modellergebnisse mit den qualitativ erhobenen Daten 68

9 Auswirkungen sommertouristischer Trittbelastung im Nationalpark Berchtesgaden 72

9.1 Verteilung der (aggregierten) Landnutzungseinheiten 72
9.2 Risiko potentieller Veränderungen der Landnutzungseinheiten durch Tritteinfluß 72
9.3 Ermittlung potentieller Schäden sommmertouristischer Trittbelastung im Nationalpark und Interpretation der Ergebnisse 75

10 Schlußfolgerung und kritische Reflexion 78

10.1 Zusammenfassung und kritische Reflexion der inhaltlichmethodischen Vorgehensweise 78
10.2 Entwicklung eines Koneptes für die angewandte Ökosystemforschung im Nationalpark Berchtesgaden 79

11 Zusammenfassung 82

12 Literaturverzeichnis 84

13 Verzeichnis der Abbildungen, Tabellen und Karten 88

Zusammenfassung:

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Neben dem Schutz der Natur und der Umweltbildung ist dem Nationalpark Berchtesgaden die Aufgabe gestellt, Ökosystemforschung zu betreiben.

Im Rahmen des UNESCO-Forschungsprojektes MAB-6 "der Einfluß des Menschen auf Hochgebirgsökosysteme - Ökosystemforschung Berchtesgaden" werden die bisher vorhandenen Grundinformationen interdisziplinär im Sinne einer angewandten Ökosystemforschung ausgewertert.

Die vorliegende Arbeit verfeinert und ergänzt den fModellansatz des MAB-Projektes 6 durch eine spezielle Methodik und wendet diese im Rahmen einer jFallstudie an, die der ökologischen Problematik des sommerlichen Besucherverkehrs im Nationalpark gewidmet ist. Die Beanspruchung durch Besucher hat in jTeilbereichen des Nationalparks die einer massentouristischen Nutzung erreicht, zum anderen fehlt es in der gegenwärtig sehr intensiv geführten Diskussion um alternative Entwicklungen im und zum Tourismus nicht an Ideologisierung, reinem Wunschdenken oder allzu starkem Sachzwangdenken (MESSERLI, 1986).

Dies zeigt auf, dass überzeugende Antworten auf eine viel diskutierte Frage ("Besteht ein ökologisches Risiko überhaupt?") nur mit flächenbezogenen Aussagen gegeben werden können.

Deshalb war es notwendig, eine Methodik zu entwickeln, mit der die ökologische Tragfähigkeit der touristisch genutzten Gebiete im Nationalpark ermittelt werden kann, um ihre Funktion im Sinne der Nationalparkverordnung sicherzustellen.

Die entwickelte und eigesetzte Methodik stellt eine ökologische Berwertung auf der Basis der in einem Landschafts-Informationssytem geführten Daten dar. Diese wurde an der Fallstudie über die Auswirkungen sommertouristischer Trittbelastung auf die Gebirgsvegetation demonstriert.

Im Rahmen dieser Fallstudie wurde folgendermaßen vorgegangen:

Nach der Aufbereitung und Digitalisierung der geometrischen Datenbasis (Flächen- und Lineardaten) wurden diesen Geometrien die landschaftsökologischen Informationen (Höhenlage, Hangneigung, Exposition, Landnutzungseinheit etc.) zugeordnet.

Die räumliche Bezugsbasis für die Bewertung hinsichtlich der potentiellen Veränderungen durch die Trittbelastung stellen die Landnutzungseinheiten dar. Mit dem Landschafts-Informationssystem wurde das Ergebnis der Berwertung zuerst für einen Teil des Nationalparks- für das Testgebiet Jenner- statistisch und flächenbezogen dargestellt. Die Bewertung wurde durch Stichprobenerhebungen und Transektkartierungen im Testgebiet Jenner validiert, indem Eckwerte-Landnutzungseinheiten mit einer sehr hohen bzw. geringen potentiellen Veränderung durch den Tritteinfluß - überprüft wurden.

Die Überprüfung ergab, dass die Bewertung der Landnutzungen als tendenziell abgesichert bezeichnet werden kann.

Weiterhin wurden mit dem Landschafts-Informationssystem die relevanten schadensbeeinflussenden Parameter ermittelt.

Es stellte sich heraus, dass das Verhältnis von Wegeneigung zu Hangneigung, bezogen auf die potentielle Trittempfindlichkeit der Landnutzungseinheiten, der entscheidene, den Schaden bedingende Parameter ist.

Überraschend war, dap die Wegefrequentierung nur eine untergeordnete Rolle spielt. So wurden z.B. entlang der Wege mit dem höchsten Frequentierungen keine Schäden, im Gegensatz aber entlang der Wege mit geringen Frequentierungen Maximalschäden festgestellt.

Zur Überprüfung, ob die bewerteten landnutzungseinheiten, die Wege- und die Hangneigung tatsächlich die entscheidenden schadensbedingenden Parameter sind, fwurde ein Modell enwickelt und mit dem Landschafts-Informationssystem Prognosekarten über die potentiellen Auswirkungen sommertouristischer Aktivitäten für einzweites jTestgebiet - das Testgebiet Funtensee - erstellt.

Der Vergleich de modellergebnisse mit genau erfaßten und kartierten Schadflächen ergab, dass für ca. 48'% der Faälle die prognostizierte Schadstufe der tatsächlichen Schadstufe entsprach und für ca. 41% der Fälle die potentielle Schadstufe nur eine Stufe unter bzw. über der tatsächlichen Schadstufe lag.

Auf der Basis des damit validierten Modells wurden mit dem Landschafts-Informationssystem Prognosekarten über die Auswirkungen sommertouristischer Trittwirkung für den gesamten Nationalpark Berchtesgaden erstellt.

Damit konnten die Flächen ermittelt werden, auf welchen durch eine sommertouristische Nutzung flächige Schäden potentiell zu erwarten sind.

Diese Flächen sollten - wenn nicht punktuell Sofortmaßnahmen notwendig sind (z.B. Absperren, Begrünen, Verlegung der Wege etc. ) - in ein ökologisches Dauerbeobachtungsprogramm einfließen.

Dadurch kann ein wesentliches Ziel der Nationalparkverordnung "... das Gebiet der Bevölkerung zu Bildungs- und Erholungszwecken zu erschließen, soweit der Schutzzweck erlaubt" (§6 der Nationalparkverordnung), umgesetzt werden.

In der abschließenden kritischen Reflexion der Fallstudie wird die Auseinandersetzung mit dem methodischen, konzeptionellen und instrumentellen Vorgehen, sowie die Darstellung des Verallgemeinerbaren und Übertragbaren in den Mittelpunkt gestellt. Daraus wird ein Konzept für eine angewandte Ökosystemforschung im Nationalpark Berchtesgaden entwickelt.