Humus und Humsschwund im Gebirge
Forschungsbericht 2
R. Bochter, W. Neuerburg und W. Zech, Lehrstuhl Bodenkunde und Bodengeographie der Universität Bayreuth
1981
112 Seiten, 11Abbildungen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung 5
2. Grundbegriffe 6
3. Das Untersuchungsgebiet 8
3.1 Lage 8
3.2 Klima 8
3.3 Geologie und Böden 8
3.4 Vegetation 8
3.5 Alm- und Forstwirtschaft in ihrer geschichtlichen Entwicklung 8
4.Methoden 12
4.1 Gelände 12
4.2 Labor 13
4.3 Auswertung 13
5. Ergebnisse und Diskussion 15
5.1 Probeflächen der montanen Stufe 15
5.1.1 Flachgründige Böden aus skelettreichem, feinerdearmem Substrat (Rendzinen und Lehmrendzinen) 15
5.1.1.1 Probefläche Königsbachalm 15
5.1.1.2 Probefläche Gotzentalalm 16
5.1.1.3 Probefläche Büchsenalm 17
5.1.1.4 Probefläche Wasserfallalm 20
5.1.2 Zusammenfassende Betrachtung der Probeflächen auf flachgründigen Böden 21
5.1.3 Tiefgründige, skelettarme, lehmige Böden (oligotrophe Braunerden)- Probe-Fläche Vogelhüttenalm 23
5.2 Ausblick auf die subalpine Stufe 25
5.2.1 Probefläche Moosenalm 25
5.2.2 Probefläche Kallbrunnalm 26
5.3.2 Probefläche Roßalpe 27
5.3 Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse im Lattengebirge 27
5.4 Methodendiskussion 30
6. Schlußbetrachtung 32
7. Zusammenfassung 33
8. Dank 34
9. Literatur 35
10. Tabellenanhang
Probefläche Königsbachalm: Tab. 1-13
Probefläche Gotzentalalm: Tab. 14-26
Probefläche Büchsenalm: Tab. 27-39
Probefläche Wasserfallalm: Tab. 40-52
Probefläche Vogelhüttenalm: Tab. 53-65
Probeflächen der subalpinen Stufe: Tab. 66-68
Probeflächen im Lattengebirge: Tab. 69-72
Zusammenfassung
Zurück zum InhaltsverzeichnisEs ist das Ziel der vorliegenden Untersuchung, den Einfluß des wirtschaftenden Menschen auf das Humuskapital von Gebirgsstöcken aufzuzeigen. Als Untersuchungsgebiet bot sich der Alpenpark Berchtesgaden an, weil er eine nahezu tausendjährige Alm- und Forstwirt-schaftsgeschichte aufweist. Zum Vergleich wurden auch Standorte am Geigelstein ausgeschieden.
Jede Probefläche besteht aus standörtlich möglichst ho-mogenen Vergleichsflächen, die alm- bzw. forstwirtschaftlich genutzt werden oder wurden. Die Probenahme erfolgte in der Regel auf 4 - 5 Einschlägen pro Vergleichsfläche. Im Labor analysierten wir C, N, pH, Porenvolumen und Carbonatgehalt. Die Unterschiede der Mit-telwerte von Vergleichsflächen wurden varianzanalytisch getestet.
Das mittlere Humuskapital der untersuchten Gebirgswaldstandorte beträgt 10 -12 kg C/qm/50 cm Bodentiefe, einschließlich der organischen Auflagen. Die ent-sprechenden Werte für die Stickstoffvorräte lauten 0,750 - 0,980 kg N/qm/50 cm.
Wegen einer Vielzahl von Kahlschlägen in den letzten 800 Jahren mit nachfolgender Erosion, Zerstörung der organischen Auflagen durch Viehtritt, wurde der Humusvorrat unter Wald sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Je schonender der Eingriff erfolgte und je weiter dieser zurückliegt, um so humusreicher sind die Waldstandor-te. Ihr ursprüngliches Humuskapital ist auf unseren Probeflächen heute aber nicht mehr vorhanden. Auf den Almlichten kam es dagegen nur zu einem einmaligen Rodungskahlhieb mit anschließender teilweiser Regeneration und Stabilisierung durch die Vegetation der Almmatten. Deshalb können dort die Humusreserven im Vergleich zum Bergwald in seiner heutigen Verfassung in Ausnahmefällen das gleiche Niveau erreichen oder sogar knapp darüber liegen. In der Regel läßt sich jedoch ein merklicher Humusschwund von im Mittel 20 -30 % nachweisen.
In Abhängigkeit von der Beweidungsintensität sind die Oberböden der Lichtalmen im allgemeinen beachtlich stickstoffreicher als die Forststandorte. Der Stickstoffgewinn kann bis zu 32 % betragen. Das ist der mittlere Ma-ximalwert der flachgründigen, skelettreichen Gebirgsböden in der montanen Stufe des Hagengebirges. Im Mittel liegt der Stickstoffgewinn der Almmatten zwischen 10 -20 %. Stets sind die oberen Bodenhorizonte N-reicher.
Durch den Viehtritt kommt es auf den Almmatten zu einer mittleren, signifikanten Abnahme des Porenvolumens der Oberböden in Höhe von 9-16%.
Kahlschlag bedingt (im Vergleich zu bewaldeten Flächen) keine Abnahme des Porenvolumens der Ah-Horizonte, jedoch Humusverluste von 30 - 40 % und Stickstoffverluste von 10 - 30 %.
Der Vergleich von Kahlschlagflächen mit Lichtalmböden beweist die teilweise Regeneration bei nachhaltiger Be-weidung, denn die Mattenböden sind je nach Bodentiefe 10-20 % humusreicher bzw. 25 - 38 % stickstoffreicher als die entsprechenden Kahlschlagflächen.
Die bisherigen Befunde machen wahrscheinlich, daß tiefgründige, lehmig-tonige Böden einen höheren Humusschwund aufweisen als flachgründige, skelettreiche Substrate. Wir führen das auf die enorme Verdichtung toniger Standorte durch den Viehtritt zurück, während Skelettreichtum diesem Effekt entgegenwirkt. Dadurch und wegen der Flachgründigkeit ist die Durchwurzelung der Rendzinen intensiver. Eine hohe Produktion an Wurzelbiomasse mindert den Humusschwund.
Bei Stickstoff liegen die Verhältnisse umgekehrt. Vermutlich kommt es auf den dichten Lehmböden bei Wasserstau, z. B. während der Schneeschmelze, zu Denitrifikation.