Nationalpark
Berchtesgaden

Die Geologie des Hohen Gölls

Forschungsbericht 40

R. Braun, 1998

192 Seiten, 68 Abbildungen, 39 Tabellen, 9 Tafeln, 2 Karten

Zur Zusammenfassung

Inhaltsverzeichnis

1-Einleitung-7

1.1-Aufgabenstellung-9
1.2-Danksagung-10

2-Geographischer und geologischer Rahmen des Untersuchungsgebietes-11

2.1-Geographische Lage des Untersuchungsgebietes-11
2.2-Geologischer und tektonischer Rahmen-12

3-Die Stratigraphie und Fazies des Tirolikums-15

3.1-Die Präriftphase-Obertrias-15
3.1.1-Einleitung-15
3.1.2-Der Dachsteinkalk-15
3.1.3-Die Kössener Schichten-16
3.2-Die Syniftphase-Unterjura bis Mitteljura-19
3.2.1-Einleitung-19
3.2.2-Der Schreibelbergkalk-20
3.2.3-Die Adneter Schichten-21
3.2.4-Die Fleckenmergelserie-25
3.3-Die Konvergenz- oder Postriftphase-Mitteljura bis Kimmeridge-26
3.3.1-Einleitung-26
3.3.2-Der Radiolarit-27
3.3.3-Die Tauglbodenschichten-28
3.3.3.1-Einleitung-28
3.3.3.2-Die Tauglbodenschichten der Sillenköpfe-32
3.3.3.3-Die Tauglbodenschichten der Torrener-Joch-Zone-32
3.3.3.4-Die Tauglbodenschichten des Büchsenkopfes-36
3.3.3.5-Die Tauglbodenschichten des Jenners-36
3.3.3.6-Die Tauglbodenschichten des Krautkasergrabens-37
3.3.3.7-Die Tauglbodenschichten des Höllengrabens-41
3.3.3.8-Die Tauglbodenschichten zwischen Kressen und Graflhöhe-42
3.3.3.9-Die Tauglbodenschichten des Salzbergwerks-43
3.3.3.10-Die Tauglbodenschichten des Weißenbachs-43
3.4-Die Postkonvergenzphasen-Kommeridge bis U.-Valendis-44
3.4.1-Einleitung-44
3.4.2-Die Oberalmer Schichten-47
3.4.2.1-Die Oberalmer Schichten im Gebiet des Obersalzbergs-56
3.4.2.2-Die Oberalmer Schichten im Gebiet des Kehlsteins-56
3.4.2.3-Die Oberalmer Schichten im Weißenbachtal-58
3.4.2.4-Die Oberalmer Schichten am Hohen Brett und in der Torrener-Joch-Zone-58
3.4.3-Die Schrambachschichten-59
3.4.4-Die Roßfeldschichten -60
3.5-Zusammenfassung der sedimentären und synsedimentärtektonischen Ereignisse-61

4-Die Stratigraphie und Fazies der Juvavischen Gleitschollen/-decken im Umfeld des Deckenkomplexes Torrener-Joch-Zone/Hoher Göll-63

4.1-Einleitung-63
4.2-Der Deckenkomplex Berchtesgadener Salzberg -63
4.2.1-Das Haselgebirge-63
4.2.2-Die Schiedbichl-Scholle-63
4.2.2.1-Die Werfener Schichten-63
4.2.2.2-Die Skythisch-anisische-Karbonatfolge-64
4.2.2.3-Der Steinalmdolomit-67
4.2.2.4-Der Hallstätter Kalk-67
4.2.3-Die Brandkopf-Scholle-70
4.3-Die Alpstein-Scholle-70
4.4-Die Zlambachschichten-Scholle des oberen Höllgrabens-73
4.5-Die Sillenkopf-Scholle-73
4.5.1-Einleitung-73
4.5.2-Das Haselgebirge-74
4.5.3-Die Skythisch-anisische-Karbonatfolge-74
4.5.4-Der Wetterstein-/Ramsaudolomit-74
4.5.5-Der Dachsteinkalk in proximaler Vorriffazies-75
4.6-Unterjura-Vorkommen der Ofner Kirche-77
4.6.1-Einleitung-77
4.6.2-Adneter Mergel-77
4.6.3-Fleckenmergelserie-77
4.6.4-Adneter Rotkalk-78
4.6.5-Hornsteinknollenkalk-78

5-Die Stratigraphie und Jfazies des Deckenkomplexes Torrener-Joch-Zone/Hoher Göll-78

5.1-Einleitung-78
5.2-Die Torrener-Joch-Zone-80
5.2.1-Einleitung-80
5.2.2-Das Haselgebirge-81
5.2.3-Die Werfener Schichten-81
5.2.4-Die Skythisch-anisische-Karbonatfolge-82
5.2.5-Der Wettersteinkalk-/-dolomit-83
5.2.6-Die Raibler Schichten-86
5.2.7-Der Karnisch-norische-Dolomit-86
5.2.7.1-Einleitung-86
5.2.7.2-Der Tisovec-Dolomit-87
5.2.7.2.1-Die massige Riff- bis riffnahe Rückriffazies-87
5.2.7.2.2-Die dünnbankige Rückriffazies-88
5.2.7.3-Der Dachsteindolomit-89
5.2.7.3.1-Die massige proximale Vorriffazies-89
5.2.7.3.2-Die gebankte distale Vorriffazies-89
5.2.7.3.3-Die massige riffnahe Rückriffazies-89
5.2.8-Dachsteinkalke innerhalb der Torrener-Joch-Zone-90
5.2.9-Zur Frage der Hallstätter Kalke in der Torrener-Joch-Zone Manganschiefer und Fleckenmergel-92
5.2.10-Manganschiefer und Fleckenmergel-92
5.3-Das Göllmasiv und der Jenner-92
5.3.1-Einleitung-92
5.3.2-Die triassische Abfolge-92
5.3.2.1-Einleitung-92
5.3.2.2-Spaltensysteme mit Hallstätter Kalken-92
5.3.2.3-Die Zlambachschichten-93
5.3.2.4-Der Dachsteinkalk-94
5.3.2.4.1-Die distale Vorriffaziens-96
5.3.2.4.2-Die Vorriff-Biohermfazies am Jenner und Vogelstein-100
5.3.2.4.3-Die proximale Vorriffazies-102
5.3.2.4.4-Der zentrale Riffbereich-105
5.3.2.4.5-Die Rückriffazies-109
5.3.2.4.5.1-Die riffnahe Zone-109
5.3.2.4.5.2-Die rifferne Zone-113
5.3.2.4.5.2.1-Einheit A-115
5.3.2.4.5.2.2-Einheit B-Loferite-116
5.3.2.4.5.2.3-Einheit C-117
5.3.2.4.5.2.3.1-Die Biolithoklastische Fazies-117
5.3.2.4.5.2.3.2-Die Fleckenriff-Fazies-118
5.3.2.4.5.2.3.3-Die Ooid-Fazies-118
5.3.2.4.5.2.3.4-Die Grapestone-Fazies-118
5.3.2.4.5.2.3.5-Onkoid-Fazies-120
5.3.2.4.5.2.3.6-Die Peloid-Fazies-120
5.3.2.4.5.2.3.7-Die Schlamm-Fazies-121
5.3.2.5-Die Kössener Schichten-121
5.3.2.6-Oberrhätkalk-127
5.3.2.7-Zusammenfassung der obertriassischen Entwicklung -128
5.3.3-Die jurassische Abfolge-129
5.3.3.1-Einleitung-129
5.3.3.2-Die Synriftphase-Unterjura bis Mitteljura-130
5.3.3.2.1-Die Spaltenfazies-130
5.3.3.2.1.1-Der Cephalopodenkalk-131
5.3.3.2.1.2-Der Brachiopodenkalk-132
5.3.3.2.1.3-Der Scheibelbergkalk-132
5.3.3.2.1.4-Die Adneter Schichten-132
5.3.3.2.1.5-Die Fleckenmergelserie-132
5.3.3.2.2-Die Bankfazies-132
5.3.3.2.2.1-Der Cephalopodenkalk-133
5.3.3.2.2.2-Der Scheibelbergkalk-134
5.3.3.2.2.3-Der Flaserknollenkalk-134
5.3.3.2.2.4-Der Adneter Kalk-135
5.3.3.2.2.5-Der Hierlatzkalk-135
5.3.3.2.2.6-Die Fleckenmergelserie-136
5.3.3.3-Die Konvergenzphase-139
5.3.3.3.1-Der Radiolarit-140
5.3.3.3.1.1-Der graue Radiolarit-140
5.3.3.3.1.2-Der rote Radiolarit-140
5.4-Zusammenfassung-140

6-Vergleichende Analyse des Tirolikums und Juvavikums zum Deckenkomplex Torrener-Joch-Zone/Hoher Göll-142

7-Die tektonischen Verhältnisse des Deckenkomlexes Torrener-Joch-Zone/Hoher Göll-149

7.1-Die synsedimentäre Tektonik-150
7.2-Die postsedimentäre Tektonik-150
7.3-Interpretation der plattentektonischen Ereignisse-157

8-Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse-161

9-Ausblick-162

10-Zusammenstellung der Probenentnahmepunkte-163

11-Literaturverzeichnis-170

Tafeln-184

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Zusammenfassung

Der im mittleren Oberjura in Berchtesgadener Becken eingeglittene Deckenkomplex Torrener-Joch-Zone/Hoher Göll besteht aus oberpermischen bis tief oberjurassischen Schichten, die sedimentgenetisch eng verbunden sind. Die Faziesfolge zeichnet sich bis in das Karn hinein durch flachmarine Sedimentationsbedingungen aus , wobei im höheren Karn bereits eine Plattformrandlage des Deckenkomplexes Torrener-Joch-Zone/Hoher Göll überliefert ist. Mit den ammonitenreichen norischen Dachsteindolomiten treten die ersten offen-marinen Sedimente auf. Damit einher geht eine relativ kleinräumige N-S verlaufende Faziesdifferenzierung des Ablagerungsraumes, die im Dachsteindolomit und Dachsteinkalk des Jenners bzw. Göllmassivs beispielhaft erhalten ist. Ab dem Alaun/Sevat machen sich plattentektonische Umstrukturierungen (initiale Synriftphase) durch das Aufreißen von Spalten im Vorriff- und Riffbereich bemerkbar, die z. T. mit Hallstätter Kalken gefüllt sind. Differenziertes Absinken entlang dieser Störungen und klimatische Veränderungen (BRAUN & ZANKL 1992a) führten zu retrogradierenden Faziesverschiebungen ab dem höheren Sevat-Unterrhät. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass am nördlichen Göllmassiv deutliche Einflüsse der Kössener Fazies (Unterrhät) und an dessen Südrand der Hallstätter Fazies (Hallstätter Kalke, Zlambachschichten) vorkommen (Abb. 55) . Somit scheint der Dachsteinkalkfaziesbereich zeitweise auf <1 km Breite eingeschränkt gewesen zu sein . Nach HAQ et al. (1988) fand im obersten Rhät eine starke Regression statt. Hinweise darauf sind am Hohen Göll erosionsbedingt nicht mehr aufgeschlossen. Die rhätische Biohermfazies des Jenners könnte jedoch als Hinweis für eine solch Regression gewertet werden.
Die im Zusammenhang mit der Rhät/Hettangium-Grenze vielfach diskutierte Frage nach den Ursachen der Sedimentationsumstellung (u.a. FABRICIUS 1966, JURGAN 1969, BÖHM 1992a, Kap. 3.2.1), soll hier nicht erneut erörtert werden. Festzustellen bleibt aber, dass die pelagische Sedimentation am Göllmassiv bereits in der planorbis-Zone eingesetzt hat und somit früher als im heute umgebenden Tirolikum. Mit der Adneter Wende kam es zu einer generellen Vertiefung des ehemaligen überwiegend flachmarinen Ablagerungsraumes. Grund dafür waren dehnungsbedingte, differenzierte Schollenbewegungen der Synriftphase und klimatisch-ökologische Faktoren. Dabei wurden älter Spalten-/Störungsspalten reaktiviert und neue Horizontal- und Vertikalspalten aufgerissen. Auf Hochschollen lagern sich im Hettangium kondensierte bunte Cephalopodenkalke ab. Die fortschreitende Absenkung mit höheren Sedimentationsraten führt zu den Scheibelbergkalken des Hangbereiches. Sie werden überlagert von den Adneter Schichten, deren Sedimentation zwischen oberem Pliensbachium und oberem Toarcium von der Fleckenmergelserie abgelöst wurde. Diese Sedimente im Übergagsbereich zwischen Becken Schwelle zeugen von hohen Sedimentationsraten und organischer Produktion. Mit der fortschreitenden Vertiefung der initialen Konvergenzphase gehen die Gesteine der Fleckenmergelserie in die schwarzen Radiolarite über. Diese, eine weiter Vertiefung de Ablagerungsraumes dokumentierende Ruhpoldinger Wende, fand vermutlich im höchsten Mitteljura bis untersten Oberjura statt. Mit den Nachfolgenden, bereits wieder flachere Sedimentationsbedingungen anzeigenden roten Radiolariten riss die autochthone Sedimentation am Göllmassiv ab , und es kam zwischen dem mittleren und oberen Kimmeridge zur Dislokation des Deckenkomplexes Torrener-Joch-Zone /Hoher Göll und dem Eingleiten in das Berchtesgadener Becken . Dabei könnte der Wechsel zwischen schwarzem und rotem Radiolarit bereits das Herausheben der Scholle vor dem Abscheren dokumentieren. Im Zuge des Eingleitens kam es zum Zerbrechen des Deckenkomplexes in mehrerer Teile und zur Stirneinrollung des Nordrandes des Göllmassivs. Eine Ursache dafür könnte die bereits zuvor eingeglittene Hallstätter- und Berchtesgadener Decke sein, die als Prellbock für das Gölllmassiv diente. Als Hinweis darauf lassen sich die juvavischen Reste (Brandkopf, Alplstein und Zlambachschichten des Klausbichls) interpretieren, die in die Stirneinrollung miteinbezogen wurden bzw. deren nördliche Begrenzung darstellen.
In der Folgezeit (Oberkimmeridge bis Tithon) wurden Tirolische Sedimente (Tauglbodenschichten und Oberalmer Schichten) auf dem nun parautochthonen Decken komplex Torrener-Joch-Zone/Hoher Göll abgelagert. Das bei der Platznahme der Gleitdecke neu entstandene , mehr als 2000m hohe Relief innerhalb des umgebenden Beckens, wurde während der Postkonvergenzphase Teilweise aufgefüllt, und der Deckenrand durch die tithonen bis unterkretazischen Sedimente überschoben, so dass ein unter- bis oberkretazischer Deckenschub angenommen wurde. Diese Einschätzung wurde insbesondere dadurch verstärkt, dass die dabei überprägten Deckengrenzen durch die Ablagerungen der Gosau erneut versiegelt wurden.